Freitag, 17. März 2017

Grenzüberquerung Lago del Desierto

Von El Chaltén aus gibt es zwei Möglichkeiten, um auf die berühmte Fernstrecke Carretera Austral zu gelangen: Entweder quert man als Fussgänger den Grenzübergang von Argentinien nach Chile am Lago del Desierto oder man fährt einen grosszügigen Umweg von über 600km aussenrum über die Autostrasse. Unter den Cyclistas ist der Fussgänger-Grenzübergang eine Legende – ihr werdet gleich sehen wieso! Klar also, dass wir uns diesen Spass nicht entgehen lassen wollten.

Kaum fahren wir aus El Chaltén raus, ändert sich die Landschaft rasant: Von alpinen steinigen Gelände aus gelangen wir mit jedem Meter in grünere und feuchtere Gegenden. Uns erwarten zwei Seequerungen per Boot über den Lago del Desierto (Argentinien) und den Lago O’Higgins (Chile). Da die Argentinier und die Chilenen Investitionen in die Grenzzonen lieber meiden, gibt es zwischen der Ausreise aus Argentinien am Ende des Lago del Desierto und der Einreise nach Chile am Lago O’Higgins einen äusserst spannenden - sagen wir naturbelassenen - 22km Wanderweg. Wie üblich nehmen es die argentinischen Grenzpolizisten locker, trinken Mate und schicken uns zu einem inoffiziellen Campingplatz. Hier treffen wir auf ein pensioniertes australisches Ehepaar, welches die Wanderung mit ihren Tourenbikes gerade hinter sich gebracht hat. «You‘re gonna have a lovely time up there», versprechen sie uns lachend. Up there heisst: Wir stossen am nächsten Morgen die 35kg Bikes über 5km einen schlammigen, vom nächtlichen Regen überfluteten Hügel rauf. Zum Teil ist der Weg so ausgetreten und schmal, dass die Bikes einen halben Meter tiefer geschoben werden müssen. Andreas übernimmt netterweise den Transport der Bikes über die diversen Bächli, welche zu Fuss ja ein Kinderspiel wären. Nach den dem ersten Verzweifeln sehen wir dann aber den Fitz Roy wolkenlos in der Morgensonne – was für ein Anblick! Und nach vier Stunden ist die Schufterei vorbei. Wir pedalen die restlichen Kilometer auf chilenischem Boden locker zum Lago O’Higgins und überholen alle Wanderer, welche uns beim Aufstieg mitleidig überrundet haben.

Am Lago O’Higgins angekommen, kochen wir mit den anderen Querenden etwas und warten auf das Boot. Wann sollte es nochmals kommen? Irgendwann spätabends sind wir dann am Hafen von Villa O’Higgins. Hier erleben wir um 23 Uhr pure Gastfreundschaft: Das einzige Restaurant, welches noch offen hat, bewirtschaftet uns herzlich, philosophiert mit uns über den hiesigen Tourismus und verpflegt uns mit allem was das Herz begehrt. Solche Momente bleiben uns definitiv in Erinnerung!


1 Kommentar:

  1. na! das nennt man dann wohl abenteuerferien! ;-)
    ♥ monika

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